Working from Canada – Ein Erfahrungsbericht
Teil 2

Sina Burghardt · Digital Workplace Trends · vor 1 Monat

Unsere Marketing Kollegin Sina Burghardt hat für zweieinhalb Wochen aus Kanada gearbeitet. Welche Vorbereitungen sie getroffen, welche Erfahrungen sie dabei gemacht und welche Schlussfolgerungen sie gezogen hat, lesen Sie in ihrer Blogreihe „Working from Canada – Ein Erfahrungsbericht“.


Toronto

Im Sommer hatte ich die Möglichkeit, nach meinem Urlaub in Kanada noch eine Weile dort zu bleiben und remote zu arbeiten. Dadurch, dass wir selbst Tools anbieten, die digitales Zusammenarbeiten ermöglichen, hatte ich meine Kollegen schnell auf meiner Seite. Und auch mein Chef war davon überzeugt, dass ein Ozean zwischen uns nichts an der Qualität unserer (Team-)Arbeit ändert. Wie meine Vorbereitungen zum Projekt „Arbeiten aus Kanada“ liefen, habe ich im ersten Teil meines Erfahrungsberichtes beschrieben. Wie genau die Umsetzung dann aussah, lesen Sie hier im zweiten Teil.

Arbeiten aus Kanada – gar nicht so anders

An sich bedeutete arbeiten aus Kanada keine große Umstellung – was die Arbeit selbst angeht. Natürlich konnte ich nicht einfach wie jeden Tag ins Büro kommen. Ab und zu arbeite ich auch in Deutschland von Zuhause aus, aber in Kanada würde ich jetzt mehr als zwei Wochen von „Zuhause“ arbeiten. Ich hatte mich inzwischen dazu entschieden, lieber in einer großen Stadt zu arbeiten als mitten im Nirgendwo. Einerseits, weil es für mich persönlich verschiedene Möglichkeiten für Arbeitsorte geben würde, andererseits, weil so sichergestellt war, dass ich definitiv eine Internetverbindung haben würde. Mein Office war also in Toronto.

Die größte Herausforderung, der ich gegenüber stand waren jedoch die 6 Stunden Zeitverschiebung zwischen Köln bzw. Amsterdam und Toronto. Dachte ich jedenfalls. Es stellte sich heraus, dass 6 Stunden gar nicht so viel sind, wenn man bedenkt, dass ich eigentlich ganz gerne früh aufstehe und auch früh anfange zu arbeiten. In Deutschland gehe ich vor der Arbeit joggen, was meine Kollegen regelmäßig mit Kopfschütteln und Augenzwinkern zur Kenntnis nehmen. Darauf habe ich in Kanada verzichtet, um stattdessen um 7 Uhr morgens anzufangen, 13 Uhr in Deutschland.

Remote work

So bin ich aus Kanada quasi nach der Mittagspause dazu gestoßen. Das gab uns genug Zeit, in der wir aus allen Ländern zeitgleich gearbeitet haben: für mich 7 bis 11 oder 12 Uhr, für meine in Köln zurückgebliebenen Kollegen 13 bis 17 oder 18 Uhr. Also hatten wir mindestens 4 oder 5 Stunden zur Verfügung, die sich überschnitten und in denen wir online und für alle erreichbar waren. Termine für Meetings waren demnach kein Problem, erforderten nur ein wenig mehr Koordinationsaufwand als normalerweise.

Auch an unserem wöchentlichen Team-Meeting konnte ich problemlos teilnehmen – allerdings, weil meine Kollegen so nett waren, es nach hinten zu verschieben. Um 4 Uhr nachts (morgens 10 Uhr in Deutschland) war ich doch noch recht müde und verschlafen. Wobei ich in der ersten Woche tatsächlich mitten in der Nacht aufgestanden bin, zum Erstaunen aller.

Online zusammenarbeiten

Online zusammenarbeiten ist für uns Alltag – wir aus dem deutschen Team in Köln arbeiten eng mit unseren Kollegen in Amsterdam zusammen. Und auch mit einigen Kollegen, die regulär im Home Office arbeiten und nur wöchentlich oder sogar monatlich mit im Büro vor Ort sind, sind wir stets online in Kontakt. Hier musste ich mich also wenig umstellen.

Transparentes Arbeiten in unserem Social Intranet, in dem jeder seine aktuellen Projekte und neue Ideen offen kommuniziert, ist eine Gewohnheit. Wir arbeiten gemeinsam an Dokumenten, geben uns Feedback und verteilen Aufgaben. Alles, was wir dort teilen, steht allen zum Mitlesen zur Verfügung. Für uns ist das ein wichtiger Grundstein der Zusammenarbeit: gemeinsam erreichen wir mehr als wenn jeder für sich alleine arbeitet.

Natürlich nutzen wir zum digitalen Zusammenarbeiten auch andere Tools, wie zum Beispiel Telefon, Videoanrufe oder Chat. Den Mittelpunkt und täglichen Team-Treffpunkt bildet aber unser Social Intranet – einfach für alle zu erreichen und durch die verschiedenen Gruppen auch klar strukturiert. Hier gibt es dann z. B. unsere Marketing Gruppe, in der wir gemeinsam an Projekten, Eventplanung und Texten arbeiten. Aber auf der anderen Seite auch eine Gruppe zum lockeren „Kaffeepausen“-Klatsch unter Kollegen, in der wir auch Bilder oder private News teilen. Eben ganz genauso wie auch im realen Büroalltag.

remote work

Kommt persönlicher Kontakt zu kurz?

Wenn ich in Deutschland bin, arbeite ich normalerweise in unserem Büro in Köln. Das bedeutet natürlich auch, dass ich den Großteil meiner deutschen Kollegen jeden Tag sehe. Bei einem Kaffee am Morgen sprechen wir über unsere aktuellen Projekte, es herrscht reger Austausch zwischen den Kollegen aller Abteilungen. Und auch unsere wöchentliche Telefonkonferenz mit dem ganzen Team am Morgen – egal an welchem Ort – sowie unser „Meeting-Dienstag“ sind wichtige Bestandteile der Woche. Im Home Office arbeite ich in Deutschland nur ab und zu. Manchmal brauche ich Ruhe, z. B. um einen Text fertigzuschreiben, dann ist es ein großer Vorteil, die Möglichkeit zu haben, sich in den eigenen vier Wänden zurückzuziehen und ganz und gar auf das Schreiben zu fokussieren.

Jetzt war ich in Kanada allerdings zweieinhalb Wochen durchgängig im „Home“ Office. Das ist aus meiner Perspektive und für meine sonstige Tagesordnung doch eine Umstellung gewesen. Statt kurz über den Bildschirmrand zu schauen und nach einem schnellen Feedback zu fragen, hieß es jetzt jedes Mal eine kurze Nachricht tippen – und dann eventuell telefonieren. Genauso bekam ich auch mehr Chatnachrichten. Kaffeepausen gab es zwar trotzdem, allerdings waren die nicht so kommunikativ. Was ein wenig gefehlt hat, waren also die kurzfristigen lockeren Updates und das spontane Besprechen von Kleinigkeiten. Und natürlich die gemeinsame Mittagspause. Nichtsdestotrotz hatte zu keiner Zeit das Gefühl, kein Teil des Teams mehr zu sein oder etwas Wichtiges zu verpassen.

Fazit

Die 6 Stunden Zeitverschiebung zwischen Kanada und Deutschland war wohl die größte Umstellung während meines Experiments. Natürlich ging das einher mit flexibleren Arbeitszeiten am Nachmittag. Während meine Kollegen schon im Feierabend waren, habe ich entweder direkt weitergearbeitet oder eine längere Mittagspause mit Ortswechsel eingelegt und erst am (späten) Abend weitergearbeitet. Dabei habe ich den Vormittag in meiner Unterkunft gearbeitet, am Nachmittag aber auch im Park in der Sonne gesessen oder eines der vielen Cafés zum Büro gemacht. Einen Shared Office Space habe ich in der kurzen Zeit in Kanada nicht getestet, bei einem längeren Aufenthalt wäre das aber sicherlich eine gute Anlaufstelle gewesen, um auch neue Kontakte zu knüpfen. Diese Flexibilität was Arbeitsort und -zeiten angeht ist meiner Meinung nach eindeutig etwas, das New Work ausmacht.

Ein Projekt wie mein „Arbeiten aus Kanada“ braucht viel gegenseitiges Vertrauen von Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite. Dass wir ohnehin häufig digital Zusammenarbeiten und viel Wert auf Transparenz legen was die täglichen Aufgaben und weitere anstehende Projekte angeht, war sicherlich ein großer Vorteil für den Erfolg meines Projekts. Wichtigster Punkt ist und bleibt jedoch die interne Kommunikation: Wenn offen und ehrlich miteinander gesprochen wird, dann ist die Zusammenarbeit auch mit großen Entfernungen und unterschiedlichen Zeitzonen ein voller Erfolg.

Team

Was sich definitiv abschließend sagen lässt: Arbeiten aus Kanada ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich bin dankbar, dass mir das nötige Vertrauen entgegengebracht wurde, dass auch meine Kollegen mich unterstützt haben und sich meiner Zeitverschiebung angepasst haben. Trotzdem freue ich mich, wieder „face to face“ und mit einem Kaffee in der Hand mit meinen Kollegen in der Küche reden zu können. Aber wer weiß, wohin es mich nächstes Jahr zieht?